Warum ziehe ich immer die falschen Männer an?
Es ist kein Pech und keine Strafe. Warum sich das Falsche oft so richtig anfühlt und wie Sie aus dem Kreislauf aussteigen.
Die kurze Antwort
Wenn Sie immer wieder an Männer geraten, die Sie nicht gut behandeln, liegt das selten an Pech und nie daran, dass Sie nichts Besseres verdient hätten. Häufig wirkt ein Muster, das sich unbemerkt wiederholt: Wir fühlen uns zu dem hingezogen, was uns vertraut ist, auch wenn es uns nicht guttut. Bindungserfahrungen aus der Kindheit und aus früheren Beziehungen prägen, wen wir anziehend finden und was wir in einer Partnerschaft für normal halten. Dieses Muster lässt sich erkennen und verändern.
Warum sich das Falsche so richtig anfühlt
Vertrautheit fühlt sich wie Anziehung an
Wer als Kind Zuwendung nur unzuverlässig erlebt hat, kennt das Gefühl, um Nähe kämpfen zu müssen. Ein Mann, der mal warm und mal kalt ist, löst dann ein starkes Kribbeln aus. Es fühlt sich an wie Liebe, ist aber oft das Wiedererkennen eines alten Gefühls. Ein zuverlässiger, freundlicher Partner wirkt dagegen schnell „langweilig“.
Bindungsmuster wandern mit
Cindy Hazan und Phillip Shaver beschrieben schon 1987, dass sich Muster aus der frühen Bindung in romantischen Beziehungen wiederfinden. Claudia Brumbaugh und Chris Fraley zeigten 2006, dass Menschen Erwartungen und Gefühle aus früheren Beziehungen auf neue Personen übertragen, die einem früheren Partner ähneln.
Viele haben tatsächlich einen „Typ“
Eine Auswertung von Yoobin Park und Geoff MacDonald fand, dass sich die Persönlichkeiten der aufeinanderfolgenden Partner eines Menschen messbar ähneln. Das Gefühl, immer wieder beim Gleichen zu landen, ist also nicht eingebildet.
Der Selbstwert entscheidet mit
Wer innerlich glaubt, nicht genug zu sein, bleibt länger bei jemandem, der genau das bestätigt. Grenzen werden später gezogen, Warnsignale eher entschuldigt.
Wichtig ist dabei: Ein Muster zu erkennen heißt nicht, sich selbst die Schuld zu geben. Verantwortlich für verletzendes Verhalten ist immer der, der verletzt. Sie können aber lernen, früher zu spüren, was Ihnen nicht guttut, und schneller zu gehen.
Wie Sie das Muster durchbrechen
- Die eigene Geschichte aufschreiben: Was hatten Ihre letzten Partner gemeinsam? Wie haben Sie sich am Anfang gefühlt, wie am Ende?
- Das Kribbeln prüfen: Starke Aufregung zu Beginn ist kein Beweis für Passung. Fragen Sie sich, ob Sie sich in seiner Nähe ruhig und sicher fühlen.
- Früh auf Taten achten: Hält er Verabredungen ein? Respektiert er ein Nein? Wie spricht er über frühere Partnerinnen?
- Zeit lassen: Wer langsamer vorgeht, erkennt Warnsignale, bevor die Gefühle zu stark werden.
- Am eigenen Wert arbeiten: Je stabiler Ihr Selbstwert, desto weniger anziehend wirkt jemand, der Sie klein hält.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn sich schmerzhafte Beziehungen immer wieder wiederholen oder Sie Abwertung, Kontrolle oder Gewalt erlebt haben, ist eine psychotherapeutische Begleitung ein guter Schritt. Bei Gewalt in der Partnerschaft ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar. Woran Sie einen narzisstischen Partner früh erkennen, lesen Sie im Ratgeber Narzisst in der Beziehung erkennen.
Das Audio-Hypnose-Programm Selbstwertgefühl unterstützt Sie dabei, ein stabileres Bild von sich selbst aufzubauen, damit Sie Grenzen früher ziehen und Warnsignale ernster nehmen. Es ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum verliebe ich mich immer in die Falschen?
Oft wirkt Vertrautheit wie Anziehung: Wer unzuverlässige Zuwendung kennt, spürt bei ähnlichen Menschen ein starkes Kribbeln. Bindungserfahrungen aus Kindheit und früheren Beziehungen prägen diese Auswahl mit.
Haben Menschen wirklich einen festen Typ?
Eine Studie von Park und MacDonald fand, dass sich die Persönlichkeiten aufeinanderfolgender Partner eines Menschen messbar ähneln. Das Muster ist also real, aber nicht unveränderlich.
Was hat der Selbstwert mit der Partnerwahl zu tun?
Wer sich selbst wenig wert fühlt, entschuldigt Warnsignale eher und bleibt länger in Beziehungen, die nicht guttun. Ein stabilerer Selbstwert macht es leichter, früh Grenzen zu ziehen.
Wie erkenne ich früh, ob ein Mann mir guttut?
Achten Sie mehr auf Taten als auf Worte: Verlässlichkeit, Respekt vor einem Nein und die Art, wie er über frühere Partnerinnen spricht. Und darauf, ob Sie sich in seiner Nähe ruhig und sicher fühlen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Hazan & Shaver (1987): Romantic love conceptualized as an attachment process, Journal of Personality and Social Psychology 52(3)
- Brumbaugh & Fraley (2006): Transference and attachment: how do attachment patterns get carried forward from one relationship to the next?, Personality and Social Psychology Bulletin 32(4)
- Park & MacDonald (2019): Consistency between individuals' past and current romantic partners' own reports of their personalities, PNAS 116(26)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).