Gibt es eine Midlife-Crisis bei Frauen?
Ja, die Lebensmitte kann für Frauen ebenso ein Umbruch sein wie für Männer. Bei ihnen fällt diese Phase aber oft mit den Wechseljahren zusammen, und das verändert, worauf es zu achten gilt.
Die kurze Antwort
Ja, aber anders, als das Klischee vermuten lässt. Eine feste Krise, die in einem bestimmten Alter zwangsläufig kommt, gilt in der Forschung für beide Geschlechter als nicht belegt. Gut belegt ist dagegen, dass die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt um die Lebensmitte am niedrigsten ist, bei Frauen wie bei Männern. Bei Frauen überschneidet sich diese Phase zudem häufig mit den Wechseljahren.
Was die U-Kurve zeigt, und was nicht
Die Ökonomen David Blanchflower und Andrew Oswald werteten Befragungen von rund 500.000 Menschen in den USA und Westeuropa aus. Das Wohlbefinden folgte einer U-Form: hoch in jungen Jahren, am niedrigsten in der Lebensmitte, danach wieder steigend. Das Muster zeigte sich bei Frauen und Männern.
Unumstritten ist der Befund nicht. Die Entwicklungspsychologin Nancy Galambos und ihr Team wiesen 2020 darauf hin, dass Studien, die dieselben Menschen über Jahre begleiten, oft keinen Abstieg bis zur Lebensmitte finden. Die U-Kurve beschreibt also einen statistischen Durchschnitt, kein Schicksal einzelner Frauen.
Was bei Frauen anders ist
Die Wechseljahre
In der US-amerikanischen SWAN-Studie hatten Frauen während und kurz nach dem Übergang in die Wechseljahre ein zwei- bis viermal so hohes Risiko für eine depressive Episode wie davor. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn frühere Depressionen und belastende Lebensereignisse berücksichtigt wurden. Nicht jedes Stimmungstief in dieser Zeit ist also eine Sinnkrise. Manchmal steckt eine Depression dahinter, die behandelt werden sollte.
Rollenwechsel
Kinder ziehen aus, Eltern werden pflegebedürftig, im Beruf stellt sich die Frage nach dem Wohin. Dass der Auszug der Kinder zwangsläufig in ein Loch führt, bestätigt die Forschung allerdings nicht: In einer Langzeitstudie über 18 Jahre wuchs die Zufriedenheit von Frauen mit ihrer Partnerschaft, als die Kinder aus dem Haus waren, vor allem, weil sie die gemeinsame Zeit mehr genossen.
Was hilft
- Körperliches abklären: Schlafstörungen, Hitzewallungen und Stimmungstiefs mit der Gynäkologin oder dem Hausarzt besprechen.
- Last von Sinnfrage trennen: Wer gleichzeitig Beruf, Familie und pflegebedürftige Eltern trägt, braucht zuerst Entlastung.
- Freiräume nutzen: Zeit, die durch den Auszug der Kinder frei wird, bewusst für Partnerschaft, Freundschaften oder eigene Vorhaben einplanen.
Wann Hilfe nötig ist
Halten gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Schlafstörungen oder Erschöpfung länger als zwei Wochen an, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können in dieser Phase helfen, zur Ruhe zu kommen und das Grübeln zu verringern: begleitend, nicht als Ersatz für eine Behandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Midlife-Crisis unterstützt dabei, Anspannung und Grübeln in der Lebensmitte zu verringern, begleitend und nicht als Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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In welchem Alter haben Frauen eine Midlife-Crisis?
Ein festes Alter gibt es nicht. Große Befragungen finden den Tiefpunkt der Lebenszufriedenheit im Durchschnitt um die Lebensmitte, einzelne Frauen erleben Umbrüche aber zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten oder gar nicht.
Ist es die Midlife-Crisis oder sind es die Wechseljahre?
Oft beides, weil sich die Phasen zeitlich überschneiden. Hitzewallungen, Schlafstörungen und ein unregelmäßiger Zyklus sprechen für die Wechseljahre und lassen sich gynäkologisch abklären. Die Fragen nach Sinn und Richtung lassen sich davon getrennt angehen.
Woran erkenne ich, dass es eine Depression sein könnte?
Wenn über mehr als zwei Wochen gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebsmangel oder Schlafstörungen bestehen. Während und kurz nach dem Übergang in die Wechseljahre ist das Risiko erhöht, eine ärztliche Abklärung ist dann wichtig.
Wird es nach der Lebensmitte wieder besser?
Im Durchschnitt ja: In großen Befragungen steigt die Lebenszufriedenheit nach dem Tiefpunkt wieder an. Das ist eine statistische Tendenz, keine Garantie, zeigt aber, dass ein Tief in dieser Phase selten der Endzustand ist.
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Quellen (Auswahl)
- Blanchflower & Oswald (2008): Is well-being U-shaped over the life cycle?, Social Science & Medicine 66(8)
- Galambos et al. (2020): The U shape of happiness across the life course: expanding the discussion, Perspectives on Psychological Science 15(4)
- Bromberger et al. (2011): Major depression during and after the menopausal transition: Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN), Psychological Medicine 41(9)
- Gorchoff, John & Helson (2008): Contextualizing change in marital satisfaction during middle age: an 18-year longitudinal study, Psychological Science 19(11)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).