Kann man sich selbst hypnotisieren?
Ja, Selbsthypnose ist erlernbar und in Studien wirksam. Am meisten bringt sie, wenn sie als eigene Fähigkeit geübt wird, nicht nur durch passives Zuhören.
Die kurze Antwort
Ja, man kann sich selbst hypnotisieren. Selbsthypnose ist erlernbar und in Studien wirksam: Eine Meta-Analyse von Eason und Parris (2019) wertete 22 randomisierte Studien aus und fand einen mittleren bis großen Effekt, etwa bei Schmerzen, Geburt, Stress und Angst. Am besten wirkte Selbsthypnose, wenn sie als eigene Fähigkeit gelernt und vorher mindestens drei Mal geübt wurde.
Was die Forschung zeigt
Für die Wirkung schien es nicht nötig, vorher von einer anderen Person hypnotisiert worden zu sein. Studien ohne Effekt hatten dagegen häufig nur das passive Anhören einer Aufnahme untersucht. Das heißt nicht, dass Aufnahmen nutzlos sind, wohl aber, dass aktives Üben den Unterschied machen kann. Wer eine Audio-Hypnose nutzt, profitiert vermutlich mehr, wenn er die Schritte nach und nach selbstständig anwendet.
So lernen Sie Selbsthypnose in vier Schritten
- Ein Ziel wählen: Formulieren Sie einen kurzen, positiven Satz, etwa „Ich bleibe ruhig, wenn ich spreche“.
- Einleiten: Setzen oder legen Sie sich bequem hin, richten Sie den Blick auf einen Punkt und atmen Sie langsam aus, bis die Augen schwer werden.
- Vertiefen: Zählen Sie innerlich langsam von zehn bis eins und stellen Sie sich vor, mit jeder Zahl tiefer zu sinken, etwa auf einer Treppe.
- Suggerieren und zurückkommen: Wiederholen Sie Ihren Satz einige Male, zählen Sie dann von eins bis fünf zurück und öffnen Sie die Augen.
Wie oft üben?
Für den Anfang eignen sich zehn bis fünfzehn Minuten täglich. Nach einigen Übungen gelingt der Einstieg schneller. Eine angeleitete Aufnahme kann helfen, den Ablauf kennenzulernen, und später als Unterstützung an anstrengenden Tagen dienen.
Was Selbsthypnose nicht ist
Selbsthypnose ist kein Kontrollverlust und kein Schlaf. Sie können jederzeit aufhören und die Augen öffnen. Sie ersetzt auch keine Behandlung bei körperlichen oder psychischen Erkrankungen, kann eine solche aber begleiten.
Hinweis zur Grenze
Bei Psychosen oder schweren dissoziativen Störungen sollte Selbsthypnose nur nach Rücksprache mit der behandelnden Fachperson geübt werden. Nicht beim Autofahren oder an Maschinen üben.
Angeleitete Audio-Hypnosen eignen sich gut, um den Ablauf kennenzulernen. Das Jahresabo enthält alle 115 Programme, etwa zu Schlaf, Stress, Angst und Selbstwert, sofort verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Begleitend gedacht, wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Häufige Fragen
Kann man bei Selbsthypnose nicht mehr aufwachen?
Nein. Selbsthypnose ist ein Zustand konzentrierter Aufmerksamkeit, aus dem Sie jederzeit zurückkehren können. Schlimmstenfalls schlafen Sie ein und wachen ganz normal wieder auf.
Wie lange dauert es, Selbsthypnose zu lernen?
Die Meta-Analyse spricht dafür, vor der eigentlichen Anwendung mindestens drei Übungssitzungen einzuplanen. Viele merken nach ein bis zwei Wochen täglichen Übens, dass der Einstieg leichter fällt.
Ist eine Audio-Hypnose dasselbe wie Selbsthypnose?
Nicht ganz. Bei einer Audio-Hypnose führt eine Stimme durch die Trance, bei der Selbsthypnose leiten Sie selbst an. Aufnahmen eignen sich gut zum Kennenlernen, am meisten profitieren laut Forschung jedoch diejenigen, die die Schritte auch eigenständig üben.
Wofür eignet sich Selbsthypnose?
Untersucht wurde sie unter anderem bei Schmerzen, rund um die Geburt, bei Stress und bei Angst. Viele nutzen sie auch zum Entspannen und Einschlafen. Bei Erkrankungen ist sie eine Ergänzung zur Behandlung.
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Quellen (Auswahl)
- Eason & Parris (2019): Clinical applications of self-hypnosis: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials, Psychology of Consciousness 6(3) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).