Bauchschmerzen bei Kindern: wann ist es die Psyche?
Bauchweh gehört zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Meist steckt keine Krankheit dahinter, sondern ein empfindlicher Bauch, auf den Stress spürbar wirkt. Einige Warnzeichen verlangen aber eine gezielte Abklärung.
Häufig und meist ohne ernste Ursache
Viele Kinder klagen immer wieder über Bauchweh, oft rund um den Bauchnabel. Nach einer Übersichtsarbeit mit Daten aus vielen Ländern erfüllen rund 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Kriterien für funktionelle Bauchschmerzen. Funktionell heißt: Die Schmerzen sind echt, aber es findet sich keine Erkrankung, die sie ausreichend erklärt. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen, und Stress geht mit einem höheren Risiko einher.
Gelegentliches Bauchweh ist noch weiter verbreitet. Laut den Autoren der Rom-IV-Kriterien berichtet im Grundschulalter im Schnitt mehr als ein Drittel der Kinder von wöchentlichen Bauchschmerzen. Nur etwa ein Drittel dieser Kinder erfüllt jedoch die Kriterien einer funktionellen Störung.
Was die Rom-IV-Kriterien sagen
Fachleute ordnen solche Beschwerden nach den internationalen Rom-IV-Kriterien ein. Für die Diagnose funktioneller Bauchschmerzen müssen die Schmerzen mindestens viermal im Monat auftreten und seit mindestens zwei Monaten bestehen. Außerdem muss eine angemessene ärztliche Untersuchung stattgefunden haben, die keine andere Ursache ergeben hat. Je nach Muster unterscheiden die Kriterien etwa Reizdarm, Reizmagen und abdominelle Migräne.
Welche Rolle die Psyche spielt
Darm und Gehirn stehen in ständigem Austausch. Bei vielen Kindern mit funktionellen Bauchschmerzen reagiert der Darm empfindlicher auf Reize, und Stress, Ängste oder Belastungen in Schule und Familie können die Beschwerden verstärken. Das heißt nicht, dass sich das Kind die Schmerzen einbildet oder etwas vorspielt.
Hinweise auf einen seelischen Anteil sind zum Beispiel Schmerzen, die sich vor Klassenarbeiten, nach Streit oder in Umbruchphasen häufen. Ein Schmerztagebuch über einige Wochen kann solche Zusammenhänge sichtbar machen.
Warnzeichen: dann gezielt abklären
Die Rom-IV-Kriterien nennen Warnzeichen, bei denen gezielt nach einer körperlichen Ursache gesucht werden sollte:
- ungewollter Gewichtsverlust oder ein Knick im Längenwachstum
- Blut im Stuhl oder anhaltendes Erbrechen
- nächtlicher Durchfall, Fieber ohne erkennbaren Grund
- anhaltende Schmerzen im rechten Ober- oder Unterbauch
- Schluckbeschwerden, Gelenkentzündungen, verzögerte Pubertät
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie oder Magengeschwüre in der Familie
Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, ein harter Bauch oder ein deutlich krankes Kind gehören sofort in ärztliche Hände.
Was hilft
Wichtig ist, die Schmerzen ernst zu nehmen und zugleich den Alltag möglichst normal weiterlaufen zu lassen. Gut untersucht sind kognitive Verhaltenstherapie und bauchgerichtete Hypnotherapie. In einer niederländischen Studie mit Kindern und Jugendlichen wirkte Hypnose auch als Übungsprogramm für zu Hause: Nach einem Jahr galt die Behandlung bei rund 62 Prozent als erfolgreich, nach Sitzungen bei Therapeutinnen und Therapeuten bei 71 Prozent. Beide Verfahren setzen daran an, wie Kind und Körper auf Schmerzsignale reagieren, und ersetzen keine kinderärztliche Abklärung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Bauchschmerzen richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, begleitend zur ärztlichen Behandlung. Für jüngere Kinder ist eine kinderärztlich begleitete Hypnotherapie der passende Weg. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Kann ein Kind wirklich Bauchschmerzen durch Stress bekommen?
Ja. Bei vielen Kindern reagiert der Darm besonders empfindlich, und Stress oder Ängste können die Schmerzen spürbar verstärken. Die Schmerzen sind trotzdem echt und nicht vorgetäuscht.
Welche Untersuchungen sind bei wiederkehrenden Bauchschmerzen nötig?
Das entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt nach Gespräch und körperlicher Untersuchung. Ohne Warnzeichen reichen oft wenige Untersuchungen, bei Warnzeichen wie Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl wird gezielt weiter abgeklärt.
Sollte ein Kind mit Bauchschmerzen zu Hause bleiben?
Das sollte mit der Kinderarztpraxis besprochen werden. Liegt keine Erkrankung vor, hilft es vielen Kindern, den gewohnten Alltag beizubehalten, weil häufiges Fehlen Sorgen und Rückzug verstärken kann. Bei Fieber, Erbrechen oder einem deutlich kranken Kind gilt das nicht.
Hilft Hypnose bei Bauchschmerzen von Kindern?
Studien zeigen gute Ergebnisse für bauchgerichtete Hypnotherapie bei funktionellen Bauchschmerzen und Reizdarm im Kindesalter. Bei Kindern sollte sie von Fachleuten angeleitet werden, die Erfahrung in der Arbeit mit Kindern haben.
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Quellen (Auswahl)
- Hyams et al. (2016): Functional disorders: children and adolescents, Gastroenterology 150(6)
- Korterink et al. (2015): Epidemiology of pediatric functional abdominal pain disorders: a meta-analysis, PLoS One 10(5)
- Rutten et al. (2017): Home-based hypnotherapy self-exercises vs individual hypnotherapy with a therapist for treatment of pediatric irritable bowel syndrome, functional abdominal pain, or functional abdominal pain syndrome: a randomized clinical trial, JAMA Pediatrics 171(5)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).